Für das Wochenende vom 10. bis 12. Januar 2020 war unter dem Motto „Stunde der Wintervögel“ Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion terminiert. Die vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern organisierte jährliche Zählung der überwinternden Vögel in Deutschland findet bereits zum zehnten Mal statt.

 

Zur Teilnahme aufgerufen ist jeder. Freude an der Natur ist alles, was man braucht, um mitzumachen. Tiefere Kenntnisse über die lokale Vogelwelt sind nicht nötig. Auch Meldungen von den vertrauten und weit verbreiteten Vogelarten sind sehr erwünscht. Alle Teilnehmer*innen liefern damit wichtige Daten über die Verbreitung unserer häufigeren, heimischen Vogelarten. Insbesondere stellt sich die Frage, wie sich anhaltende Dürre und Hitze der letzten beiden Rekordsommer auf die heimische Vogelwelt ausgewirkt haben.

 

Bei der Aktion im Januar 2018 hatten 138.000 Personen teilgenommen. Gemeldet wurden 3,5 Millionen Vogeldaten von 95.111 Beobachtungsplätzen. Das ist ein neuer Teilnahmerekord und zeigt, wie groß das Interesse an der heimischen Vogelwelt ist. Allerdings: die Zahl der gemeldeten Vögel ging leicht zurück.

 

Wurden im Rekordjahr 2011 noch fast 46 Vögel pro Garten gemeldet, waren es 2019 nur 37, ein Wert unterhalb des langjährigen Mittels. Beispiele für Rückgänge waren klassische Futterhausbesucher wie Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpf- und Tannenmeisen. Vermutet wird, dass weniger Vögel in die Gärten kamen, weil die schneefreien Winterwälder noch ausreichend Nahrung boten. Auch Teilzieher aus dem Norden und Osten Europas waren vermutlich weniger nach Deutschland gekommen, da der Winter in ganz Europa eher mild war. Ob vielleicht auch ein tatsächlicher Rückgang an Vögeln die Ursache für die geringeren Zählwerte sein könnte, muss in Zukunft aufmerksam verfolgt werden.

 

Bundesweit waren Haussperlinge am häufigsten. Fast 600.000 wurden registriert und somit 14 % mehr als im Januar 2018. Die Kohlmeisen konnten den zweiten Platz behaupten. Auf Platz drei schoben sich überraschend die Feldsperlinge vor, wobei es große regionale Unterschiede gab. Blaumeisen und Amseln folgen, beide jedoch mit Bestandsrückgängen über 10 %. Die Plätze 5 bis 10 belegen Buch- und Grünfinken, Elstern, Erlenzeisige und Stare. Der Erlenzeisig war der große Gewinner der letztjährigen Zählung. Waren 2018 noch 41.212 Exemplare gemeldet worden, war ihre Anzahl auf 106.431 im Januar 2019 angewachsen.

 

Auch in der Gustav-Clauss-Anlage hatte ein großer Schwarm Erlenzeisige in Nadelbäumen überwintert. Die Art besiedelt ein Areal von Westeuropa bis Zentralasien. Dort werden Bergwälder Nadel- und Mischwaldarten als Lebensraum bevorzugt, manchmal auch mit größeren Höhen bis um 1800 Meter. In deutschen Mittelgebirgen und im Alpenraum können Erlenzeisige ganzjährig beobachtet werden. Beim Schwarm in der Gustav-Clauss-Anlage, handelt es sich sehr wahrscheinlich um Tiere aus nordeuropäischen Populationen. Diese ziehen im Herbst nach Mitteleuropa oder noch weiter nach Süden, um der winterlichen Nahrungsknappheit in ihren Brutgebieten zu entgehen. In ihrem Überwinterungsgebiet halten sie sich gerne in Parks und in Gärten auf, wo sie hauptsächlich Erlen- und Birkensamen fressen.

 

Im Saarland und im Saarpfalzkreis blieben die vorderen Platzierungen bei der Zählung unverändert. Wie 2018 belegten Kohlmeisen und Haussperlinge die beiden vorderen Plätze. Den Blaumeisen auf Rang drei folgen Stare, Amseln, Rabenkrähen und Elstern. Starke Zuwächse im Kreisgebiet wurden bei Ringeltauben und Schwanzmeisen registriert. Auch die lange verschwundenen Kolkraben wurden wieder beobachtet.

 

Wie ist bei der Zählaktion zu verfahren? Ein Platz im Garten, von dem aus Sie gut beobachten können, genügt. Notieren Sie im Laufe einer Stunde von jeder Vogelart die höchste Zahl an Exemplaren die Sie gleichzeitig von ihrem Standort aus beobachten konnten. Mit dieser Methode soll vermieden werden, dass einzelne Tiere mehrfach gezählt werden und somit die Bestandszahlen verfälscht werden. Sofern verschiedene Stellen zur Beobachtung aufgesucht werden, können sie auch an drei Tagen zählen oder jeden Tag mehrfach. Ein Fernglas ist dabei nützlich, aber nicht zwingend notwendig. Für jede Zählung wird eine separate Beobachtungsliste ausgefüllt.

 

Wo kann gezählt werden? An vielen Plätzen, z. B. am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon, im Park oder auf dem Friedhof. Auch Beobachtungen von Stellen in Wäldern oder in der offenen Landschaft sind willkommen.

 

Text: Franz-Josef Weicherding, Foto: Barbara Böhme

Neuigkeiten von St. Ingberter Spatzen

 

Angeregt durch die Recherche für einen Gebäudebrütervortrag im letzten Jahr hatten wir im Internet eine interessante und überzeugend erscheinende Nisthilfe für gebäudebrütende Vögel gefunden: die „Vogelvide“, konzipiert von unseren holländischen Nachbarn, die als Modul in die unterste Ziegelreihe der meisten Dächer eingebaut werden kann. Diese Nisthilfe ist auf einem Meter Breite mit zwei Einfluglöchern versehen, trennt aber den weiteren Dachinnenraum ab und verhindert Wärmeverluste bei der Dämmung oder ein Vordringen der Tiere ins Dachinnere. Während Sanierungsarbeiten am Dach bietet sich zumeist eine gute Gelegenheit zum Einbau dieser Nisthilfe und verbindet energetische Sanierung mit sinnvollen Naturschutzmaßnahmen. Denn gerade durch die Versiegelung der Dächer und Fassaden im Zuge der energetischen Sanierung verlieren viele Tiere Nistmöglichkeiten, was negative Auswirkungen auf die Bestandsentwicklung hat. Familie Angné, die in der Innenstadt St. Ingberts wohnt, hat die Chance der Dachsanierung genutzt, 3 m der Vogelvide erworben, im Frühjahr 2019 einbauen lassen und somit 6 neue Nistplätze geschaffen.

Die Vogelvide wird vor allem von Haussperlingen, Meisen und Hausrotschwänzchen genutzt, wobei der Haussperling am meisten davon profitieren könnte: die kleinen Stadtbewohner suchen für gewöhnlich Nistplätze unter lückigen Dachziegeln, finden Einschlupf am Übergang zwischen Fassade und Dach und gelten als klassische Gebäudebrüter. Allein in den letzten 10 Jahren hat der Haussperling allerdings ein Viertel seiner Bestände verloren und dies setzt den rückläufigen Trend seit den 60er Jahren fort. Diese Entwicklung hat den Spatz -obwohl zahlenmäßig noch einer der häufigsten Vögel bei uns- auf die Vorwarnliste der gefährdeten Brutvogelarten Deutschlands und aktuell auch des Saarlandes katapultiert. Grund dafür ist unter anderem auch Nistplatzmangel, da Dächer anders als früher kaum mehr Möglichkeiten zum Einschlupf bieten.
                                                                       Text: Gabi Stein, Fotos: Angné, Stein

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