Ergebnis Amphibienwanderung 2018 am Glashütter Weiher

Auch in diesem Jahr haben NABU-Aktive und freiwillige Helfer die Massenanwanderung der Erdkröten in den Glashütter Weiher in St. Ingbert Rohrbach betreut. Ein Schutzzaun mit 25 Eimern stand wie in den letzten Jahren auf der Waldseite auf Höhe des Weihers und soll den anwandernden Amphibien den Straßentod ersparen. Trotz des Zauns werden am Glashütter Weiher in jedem Frühjahr vor allem in den frühen Abendstunden viele Amphibien-vor allem Erdkröten- überfahren, in diesem Jahr sind es geschätzt 200-300 gewesen. Dabei wird vor allem den Erdkrötenmännchen ein spezifisches Verhaltensmuster zum Verhängnis: sie nutzen die Straße mit freier Sicht als Warteplatz auf die aus dem Wald kommenden Erdkrötenweibchen und flüchten leider auch nicht bei anfahrenden Autos.

 

Die nackten Zahlen der Amphibien, die wir 2018 in der Zeit zwischen 9. März und 9. April in der Hand hatten: Insgesamt haben wir 11673 hinwandernde  Erdkröten (davon 570 als Weibchen identifiziert), 63 Fadenmolche, 27 Grasfrösche und 13 Bergmolche gezählt und in den Weiher gesetzt.

 

Die Rückwanderung, für die es keinen Schutzzaun gibt, war in diesem Jahr kurioserweise in sehr wenigen Tagen abgeschlossen. Trotzdem gilt weiterhin die Bitte an alle Autofahrer vorsichtig zu fahren und unter Umständen auch mal halt zu machen und auf der Straße sitzende Amphibien auf die Seite zu setzen. Gleiches gilt für die Abwanderung der Jungtiere, die im Juni/Juli an milden Regentagen zu erwarten ist.

 

Ein herzliches Dankeschön geht an die Stadt St. Ingbert, die den Zaun aufstellen und die Eimer eingraben lässt und an alle, auch neue Helfer, die sich zuverlässig und engagiert an der Aktion beteiligt haben!

                                                                                  Text und Fotos: Gabi Stein

Amphibien und Reptilien in St. Ingbert 2017

Text und Fotos: Gabi Stein

Trotz des in weiten Teilen sonnigen Frühjahrs und Frühsommers konnten kaum Nachweise für die drei einheimischen Eidechsenarten gelingen. Die Zauneidechse, ein eindeutiger Verlierer der veränderten Landschaft der letzten Jahrzehnte, haben wir gar nicht gefunden: ihr fehlt es an geeigneten Lebensräumen.

Anhand eines Vorkommens von Mauereidechsen an einem ehemaligen Schienenstrang im Pottaschwald kann man eventuell den Rückschluss ziehen, dass sie an der Bahnlinie vorkommt, eine Beobachtung dazu ist aber nicht gelungen.

Die häufigste Eidechsenart in St. Ingbert wird noch die Waldeidechse sein, die am Waldrand oder auf Lichtungen zu finden ist.

Fotos von oben links im Uhrzeigersinn

Foto 1: trächtiges Waldeidechsenweibchen auf der Hagerwiese

Foto 2: Mauereidechse in St. Ingbert Mitte

 

Zu den Amphibien: des einen Freud, des andern Leid. Was für die Reptilien günstiges Wetter ist (sonnig und trocken), verhindert oft eine erfolgreiche Reproduktion bei den Amphibien, da die Gewässer zu früh austrocknen. Für Grasfrösche, Berg- und Fadenmolche, sowie den Feuersalamander war die Reproduktionsrate in diesem Jahr im Mittelmaß. Die Erdkröte dürfte aufgrund der Präferenz größerer Gewässer weiterhin die stabilste der im St. Ingberter Raum vorkommenden Amphibienarten sein. Die Wechselkröte, eine der  seltenen Amphibienarten im Saarland, ist immerhin noch in einem isolierten Bestand auf dem Gelände der Firma Peter Groß zu hören gewesen.

Aus Mangel an weiteren Arten in St. Ingbert haben wir uns über die Ortsgrenzen hinaus bewegt und in einem Gewerbegebiet in Spiesen die beiden streng geschützten Arten Kreuzkröte und Nördlicher Kammmolch nachgewiesen. Die Gemeinde Spiesen zeigt sich - sehr zu unserer Freude -  entschlossen, für beide Arten die entsprechenden Maßnahmen zum Schutz und Erhalt der Populationen zu ergreifen.

Foto 3: Kammmolchlarve in Spiesen

Foto 4: rufendes Kreuzkrötenmännchen in Spiesen

Erhalt und Pflege wertvoller Wiesen und Tümpel

Fotos (Gabi Stein) im Uhrzeigersinn: Helmut bei der ersten Mahd im Juni auf der Hagerwiese und nach der 2. Mahd im Oktober, Alter Sauweiher vor den Arbeiten ... und danach

Nach dem letzten Pflegeeinsatz im Jahr 2015 haben in diesem Jahr wieder Arbeiten auf der Hagerwiese und dem Alten Sauweiher in St. Ingbert stattgefunden. Die Hagerwiese, eine Waldwiese am Schwammwiesbach, die der NABU St. Ingbert seit 2011 gepachtet hat, hat uns in diesem Jahr besonders gefordert.

Ziel ist die Offenhaltung eines Großteils der Fläche und die Förderung eines möglichst großen Artenreichtums. Im letzten Jahr hatte eine kurzzeitige  Beweidung mit Ziegen und Schafen den Bewuchs zumindest ein wenig in Schach halten können. Die gewünschte Aufwertung der Flora hat sich allerdings noch nicht eingestellt und wird uns wohl die nächsten Jahre noch beschäftigen.

Zu diesem Zweck haben wir uns entschlossen, einen AS-Mäher anzuschaffen. Im Juli und Oktober wurde fast die gesamte Fläche gemäht und das Mähgut von der Fläche entfernt. Dazu musste im Vorfeld eine große Menge Fallholz eingesammelt werden, das zu Holzhaufen für die hier vorkommenden Waldeidechsen aufgeschichtet wurde. Neben einer reichen Vogelwelt, kann der Naturbeobachter mit ein bisschen Glück und Geduld auf der Hagerwiese jetzt schon verschiedene Amphibien-, Reptilien-, Schmetterlings- und Libellenarten bewundern. Wir hoffen, durch konsequente Pflegemaßnahmen in den nächsten Jahren, diese wertvolle Fläche weiter aufzuwerten.


Am Alten Sauweiher ganz in der Nähe der Hagerwiese haben sich die großen Wasserpflanzen und Verlandungsverursacher Rohrkolben und Schilf stark ausgebreitet und einen weiteren Arbeitseinsatz notwendig gemacht. Zudem sind auf der Freifläche vor dem Tümpel die Kanadische Goldrute und ein Teil des Futter-Beinwells entfernt worden.

Am Kleinen Albertsweiher, einem vorgelagerten Tümpel an dem früheren Anglerweiher in Rentrisch, wurde ebenfalls ein Großteil der Vegetation aus dem Tümpel entfernt. Hier hatte der SaarForst vor zwei Jahren einen Aushub finanziert, der den Kleinen Albertsweiher langfristig vor der Verlandung bewahren soll. Gerade die kleinen fischfreien Tümpel weisen oftmals ein größeres Artenspektrum auf und lohnen die Mühe von ein bisschen Pflege.


Bei dem immerwährenden Thema der Erhaltung und Pflege von Gewässern und Wiesen können auch Sie sich gerne engagieren. Nur Mut, melden Sie sich! Wir freuen uns! Demnächst geht`s unterhalb des Großen Stiefels mit Arbeiten weiter.

Dem DNA gehen die Kröten aus

(27.07.2017) In diesem Jahr haben wir in dem in Umwandlung begriffenen Gebiet im nordwestlichen St. Ingbert vergeblich nach den Wechselkröten gesucht. Waren die Kröten im letzten Jahr in zwei Teilbereichen noch vorhanden, haben kostenlose abendliche Konzerte gegeben und sich dabei  erfolgreich vermehrt, blieben sie in diesem Jahr komplett aus. Keine Sichtfunde, keine Rufer, keine Bewegung im gesamten Drahtwerk-Nord-Areal und demzufolge auch keine Reproduktion in den von der Stadt neu geschaffenen Gewässern!

 

Die Gründe für den Komplettausfall können nicht nur am trockenen Frühjahr und Frühsommer liegen. Auch wenn die Ersatzgewässer erst Mitte Mai und damit deutlich zu spät fertiggestellt waren und nur zwei der fünf Becken das Wasser in ausreichendem Maß gehalten haben, hätte eine Bewegung von umherstreifenden Wechselkröten stattfinden müssen, die ihre ursprünglich genutzten Gewässer durch Verfüllen und Bautätigkeiten nicht mehr finden konnten. Diese Bewegung hat aber augenscheinlich nicht stattgefunden - oder so früh im Jahresverlauf, dass wir sie nicht mitbekommen haben. Das ist die einzige Hoffnung, die bleibt.


Die wahrscheinlichere Variante, dass die Wechselkröten den Erdarbeiten im hinteren Bereich des DNA in ihren Überwinterungs- und Tagesversteckplätzen zum Opfer fielen, ist dem Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz (LUA) gemeldet worden, ohne uns bekannte Konsequenzen. Damit ist die -dem Gesetz nach- streng geschützte Amphibienart nicht zum ersten Mal der Verlierer im strukturellen Wandel eines Bundeslandes, das seine ehemals industriell genutzten Flächen vor allem für Gewerbezwecke  erfolgreich vermarktet ohne sich der Verantwortung für den Erhalt seltener und geschützter Arten im Klaren zu sein. Der Versuch, gemeinsam mit den städtischen Akteuren und der Naturschutzbehörde Artenschutz und Stadtmarketing unter einen Hut zu bekommen, kann im Drahtwerk-Nord-Areal vorerst als gescheitert betrachtet werden.                        Autorin: Gabi Stein, Foto: Barbara Böhme

 

Kreuzkröten im Baugebiet

Autorin und Fotos: Gabi Stein

(29.06.2017) Unmittelbar hinter der St. Ingberter Ortsgrenze in dem Baugebiet „Am Truckenbrunnen“ (Gemarkung Spiesen-Elversberg) konnten wir Anfang Juni 2017 einem nicht ganz unerwarteten Kreuzkröten-Konzert lauschen. Die Freude über das Vorhandensein dieser im Saarland mittlerweile stark im Rückgang begriffenen Amphibienart ist durch die momentanen Bauarbeiten im Gebiet getrübt: seit 2016 wird hier eine langjährige Brachfläche mit hohem naturschutzrelevantem Potential zu einem Neubaugebiet umgewandelt. Von den früher hier bekannten Amphibienarten Kammmolch, Gelbbauchunke und Kreuzkröte hat zumindest die Kreuzkröte die Erdarbeiten der letzten Monate überlebt und jetzt den mutigen Versuch gestartet, im Auge des Sturms zu reproduzieren.

Ob die Gemeinde Spiesen-Elversberg den Spagat zwischen einer Fortsetzung der geplanten Bauarbeiten und der Erfüllung der artenschutzrechtlichen Bestimmungen schafft, wird sich zeigen. Die Kreuzkröte ist eine streng geschützte Tierart. Das Töten von Individuen sowie die Zerstörung der Ruhe- und Fortpflanzungsstätten sind per Gesetz verboten. Das für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zuständige Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz (LUA) wurde von unserer Seite über das Vorkommen der Kreuzkröten informiert, spricht aber weiterhin von einem „potentiellen Vorkommen“, für deren Erhalt es der Gemeinde Spiesen-Elversberg einen naturschutzfachlichen Gutachter empfiehlt. Den halten wir für dringend erforderlich. Auch der NABU-Landesverband sowie die Ortsgruppe Neunkirchen sind informiert, um die weitere Entwicklung zu beobachten.

Ausgleichsgewässer für die Wechselkröte

Autorin und Foto: Gabi Stein

(02.06.2017) Naja, es hat ganz schön lange gedauert, aber  Mitte Mai waren sie endlich fertiggestellt: die mit Bentonit-matten ausgeschlagenen Ersatzgewässer für die verloren gegangenen letztjährigen Ablaichgewässer der Wechselkröte auf dem DNA-Gelände in St. Ingbert. Der Maßnahme vorausgegangen waren Gespräche mit der Stadt und der GewerbegeländeEntwicklungsgesellschaft (GGE) unter Einbeziehung des auf Amphibien- und Reptilienschutz spezialisierten Gutachters Hans-Jörg Flottmann. Insgesamt kann man sagen, dass diese Gespräche sehr gut verlaufen sind, obwohl wir es mit einer schwierigen Ausgangssituation zu tun haben: Die Naturschutzgesetze, die eine ökologische Baubegleitung und einen Maßnahmenkatalog bei entsprechenden Artfunden  vorschreiben, sind im Vorfeld der Umgestaltung und Vermarktung des DNA-Geländes nicht beachtet worden und somit hatte die GGE mit Hürden in dieser Art nicht gerechnet. Dafür hat sie sich sofort bereit gezeigt, dem Natur- und Artenschutz Genüge zu tun und die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen.


Dennoch verlaufen Artenschutzbemühungen nicht immer reibungslos. Die Firma Uhle, die im Spätsommer 2016 mit Baumaßnahmen im Lebensraum der Wechselkröten begonnen hatte, war laut Aussage des LUA über die Problematik der vorhanden Wechselkröten-Population informiert, hat aber im März 2017 einen über 2 m hohen Wall im Böschungsbereich des Firmengeländes aufgeschüttet, der mit großer Wahrscheinlichkeit als Überwinterungs- und Tagesversteckplatz gedient hat. Ob von den Wechselkröten noch etwas übrig geblieben ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Bislang konnten wir keine Exemplare sehen, was aber vielleicht auch an dem Mangel an Gewässern lag. Dieses Problem ist nun immerhin gelöst: Fünf Becken von circa jeweils 10-15 m² Fläche stehen der streng geschützten Wechselkröte zukünftig zur Verfügung, die sie - so hoffen wir - auch annehmen wird.

 

Mittlerweile konnten wir auch einige hundert Meter weiter  Wechselkröten entdecken: im Regenauffangbecken der Firma Peter Groß hat sich eine Rufergemeinschaft männlicher Wechselkröten hören lassen. Es ist davon auszugehen, dass es hier schon seit mehreren Jahren zu einer erfolgreichen Reproduktion kommt. Die Firma ist informiert.

Düsteres Bild für Eidechsen in St. Ingbert

Autorin und Foto: Gabi Stein

(02.06.2017) Man kann nur das schützen, was man kennt. Da die Datenlage bei den drei heimischen Eidechsenarten für den St. Ingberter Raum sehr dürftig ist, haben wir im letzten Jahr begonnen, nach dieser besonders schutzbedürftigen Tiergruppe Ausschau zu halten.

 

Mit dem derzeitigen Ergebnis: ziemlich tote Hose! Keine Mauereidechsen in ganz St. Ingbert, die beispielsweise in Saarbrücken fast im gesamten Stadtgebiet anzutreffen sind! Keine Zauneidechsen, früher eine Art, die auch im innerstädtischen Bereich häufig war! Lediglich einige Vorkommen der Waldeidechsen haben wir bislang gefunden; auch diese Art sah man früher häufiger (s. Foto).

 

Ob das erschreckende Zwischenergebnis auf mangelhafte Beobachtungen zurückgeht oder doch den tatsächlichen Bestand widergibt, ist noch offen. Über (relativ) aktuelle Meldungen aus der Bevölkerung sind wir in dem Zusammenhang dankbar. Am liebsten mit Foto. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich in Privatgärten isolierte Bestände beispielsweise der Zauneidechse gehalten haben. Und sicherlich sind wir nicht überall zur richtigen Zeit. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Highlife am Krötenzaun

Autorin: Gabi Stein, Foto: Barbara Böhme

(20.03.2017) Hier ein kurzer Zwischen-bericht vom Krötenzaun am Glashütter Weiher: Nachdem in den 3 Wochen seit der Aufstellung des Zauns eine mehr oder weniger gemächliche Anwanderung der Amphibien aus dem Wald Richtung Gewässer stattgefunden hatte (insgesamt gut 1000 Erdkröten wurden gezählt, einige Berg-, Faden- und Teichmolche, sowie Grasfrösche), hat uns die Erdkröte  in dieser Woche „so richtig auf unsere Fitness getestet“  (Zitat Helmut Graf, der an einem Abend alleine war und 592 Erdkröten gesammelt hat.


Allein zwischen 13. und 18. März sind über 4000 Erdkröten aus den Eimern am Krötenzaun, auf den Parkplätzen und der Straße abgefangen und in den Weiher gesetzt worden. Die Entwicklung dürfte sich in den nächsten Tagen noch fortsetzen, da durch den einsetzenden Regen optimale Bedingungen für die Amphibien vorherrschen. Auch die Rückwanderung hat schon begonnen, was die Situation etwas unübersichtlich macht.

 

Eine Bitte an alle Autofahrer, die nach Einbruch der Dunkelheit die Straße zum Restaurant am Glashütter Weiher passieren: da der Zaun nur in einem Teilbereich gestellt werden kann, befinden sich zwischen Anfang und Ende März immer zahlreiche Erdkröten auf der Straße. Die Erdkröten bleiben bei Gefahr einfach stehen.

 

Bitte fahren Sie maximal Schritttempo und achten Sie darauf, keine Amphibien zu überfahren.

Das Amphibienjahr 2016

Autorin und Fotos: Gabi Stein

Fotos: oben links: Grasfroschkaulquappe mit schon entwickelten Hinterbeinen, oben rechts: Auch die noch nicht geschlechtsreifen Erdkröten wandern schon mal probeweise zum Laichgewässer; unten links: rufendes Wechselkrötenmännchen; unten rechts: das Ergebnis seiner Bemühungen

 

(August 2016) Aufgrund von, zumindest aus Sicht der Amphibien, günstigen Wetterverhältnissen war das Jahr 2016 für alle Amphibienarten ein insgesamt sehr zufriedenstellendes Jahr in St. Ingbert. Neben Erdkröten, Gras- und Teichfröschen konnten wir Berg-, Faden- und Teichmolche, sowie den Feuersalamander und die Wechselkröte nachweisen. Der Großteil der Gewässer ist stabil gewesen und dank einiger Pflegemaßnahmen im Vorfeld und der Krötenzaunbetreuung am Glashütter Weiher haben sich Frösche, Molche und Kröten gut entwickeln können.

 

Rein zahlenmäßig ist die Umgebung am Glashütterweiher mit  knapp  8000 am Krötenzaun gezählten Amphibien der Kernbereich im vom NABU St. Ingbert betreuten Gebiet. Hier kommen Erdkröten und Grasfrösche in großen Populationszahlen, sowie Molche vor. Die Krötenzaunbetreuung, die sich in diesem Jahr über knapp 7 Wochen hinzog, ist nur durch den engagierten Einsatz von vielen Helfern möglich gewesen.

 

Ein qualitativ hochwertiger Bereich ist das Gebiet am Großen Stiefel, wo der Saarforst im ausgehenden Winter einige Stützungsmaßnahmen zum Erhalt von Kleingewässern durchgeführt hat. Hier kommen 5 Amphibienarten vor, deren Larven ab Ende Juni die Gewässer verlassen haben.

 

Auch zwei kleine Wechselkrötenpopulationen haben wir in einem St.Ingberter Industriegebiet gefunden. Die Kaulquappen konnten sich zum Großteil fertigentwickeln, Jungtiere sind Ende Juni/Anfang Juli aus den Lachen abgewandert. Die Wechselkröte ist eine streng geschützte Art, die gerne temporäre Flachgewässer auf von Menschen  genutzten Flächen besiedelt und dadurch der ständigen Gefahr von Eingriffen, etwa durch Bebauungsmaßnahmen, ausgesetzt ist.

 

Noch eine Bitte an alle Amphibienfreunde: Bitte belassen Sie Frosch- oder Krötenlaich, alle Kaulquappen und ausgewachsenen Amphibien an dem Platz, an dem Sie sie beobachten! Eine Umsiedlung ist selten erfolgreich und von vielen Bedingungen abhängig, die oft nicht richtig einzuschätzen sind. Vor allem die Erdkröte ist eine sehr standorttreue Art, die eine Umsiedlung in der Regel nicht akzeptiert!

Wenn Sie konkrete Fragen zum Thema haben, wenden Sie sich gerne an Barbara Böhme, Tel. 06894/5908008 oder barbara-boehme(a)t-online.de oder an gabi_stein(a)yahoo.com.

Wer Lust hat auf sinnvolle sportliche Betätigungen im Bereich Biotoppflege an Gewässern, kann sich ebenfalls gerne melden. Einige Pflegemaßnahmen an Gewässern, in den Amphibien vorkommen, stehen für die Monate September-November an.

 

Feuersalamander sind aktiv

Autorin und Fotos: Gabi Stein

(Januar 2016) Nachdem die Temperaturen in der 2. Januarhälfte recht mild waren und ein freundlicher Regen die Gewässer gut aufgefüllt hat, war das Anlass, nach ersten Amphibienwanderbewegungen zu schauen.

Ergebnis: Grasfrosch, Erdkröte, Berg- und Fadenmolche lassen sich noch etwas Zeit, was für die Jahreszeit voll im Zeitplan ist. Die Feuersalamander allerdings sind unterwegs und haben auch schon in einigen Gewässern im St.Ingberter Gebiet ihre Larven abgesetzt.
Zwar nicht ganz abwegig, dass im Winter Larven abgesetzt werden, aber in der Häufigkeit doch eindeutig den optimalen Bedingungen (Regen und milde Temperaturen) geschuldet.

Fotos:

links: Feuersalamander beim Absetzen einer Larve in der Nähe des Großen Stiefels

rechts: Feuersalamanderlarve, gut zu erkennen an dem gelben Punkt am Beinansatz

Seefrösche verdrängen andere Amphibien

Autor: Franz-Josef Weicherding

Der aus Osteuropa und Asien eingeschleppte Seefrosch (Rana ridibunda) ist eine nachgewiesene Bedrohung für die einheimischen Wasserfrosch-Sippen anderer Teile Europas. Unter https://www.ufz.de/index.php?de=35692  wird der Konkurrenzdruck vom Seefrosch auf andere Arten recht exakt beschreiben.


Wegen seiner größeren Körpermasse ist er jedoch nicht nur für diese ein ernst zu nehmender Fressfeind. Er bedroht offenbar auch die Bestände anderer Amphibien-Arten. Ein Forschungsprojekt der Universität Basel zeigte auf, dass in der Schweiz sogar die Gelbbauchunken und Geburtshelferkröten stark unter der Zunahme der Seefrösche und seiner Hybriden mit dem Kleinen Wasserfrosch (Rana esculenta = Teichfrosch-Klepton) leiden. Eine Kurzfassung der Projektbeschreibung ist zu finden unter https://www.vbio.de/informationen/alle_news/e17162?news_id=21690.


Vom Seefrosch sind im Saarland mehrere Vorkommen bekannt, vom Kleinen Wasserfrosch (Rana lessonae) nur ein einziges. Gemäß der aus den ICUN-Daten erstellten Verbreitungskarte bei Wikipedia, liegt unser Bundesland deutlich innerhalb des Areals des Kleinen Wasserfrosches. Leider sind jedoch keine Aufzeichnungen bekannt, aus denen sich die ehemalige Verbreitung des Kleinen Wasserfrosches für das Saarland rekonstruieren ließe. Sofern es noch weitere Vorkommen gab, sind in deren Lebensräume sicher Seefrösche eingewandert. Diese haben sich mit den Kleinen Wasserfröschen gekreuzt und heute kommen dort nur noch die Hybriden aus beiden Arten vor.
Weitere Informationen über den Wasserfroschkomplex sind zu finden unter http://www.amphibienschutz.de/amphib/wafr.htm und etwas detaillierter unter http://www.dihu.ch/chtiere/amphibien/d_ranaesculenta.html.


Mit der gleichen Thematik, aber auch ein wenig mit fragwürdigen Essgewohnheiten unserer westlichen, frankophonen Nachbarn, befasst sich ein weiterer Artikel. Diesem ist u. a. zu entnehmen, dass der Seefrosch seit den 1970er Jahren in Frankreich eingeführt wurde http://www.sueddeutsche.de/leben/vom-aussterben-einer-delikatesse-der-frosch-lacht-nicht-mehr-1.283510

Das Leben der Erdkröte im Jahresverlauf

Das Wort Amphibium (griechisch) bedeutet „doppellebig“ (C. Hage, wissen.de). und bezieht sich auf den wiederkehrenden Wechsel der Lebensräume der Tiere im und außerhalb des Wassers Die meisten der deutsch als Lurche bezeichneten Arten suchen nur zur Paarung und Eiablage das Wasser auf; verbringen jedoch den größten Teil des Jahres außerhalb von Gewässern. Ihre Aufenthaltsorte gliedern sich dabei mit dem Winterlebensraum, dem Laichgewässer und dem Sommerlebensraum in drei jahreszeitlich unterschiedliche und auch artspezifische Teillebensräume auf. Da ihre dünne, feuchtebedürftige Haut niemals trocken werden darf, sind fast alle Lurcharten, auch außerhalb der Paarungs- und Laichzeit auf feuchtes Milieu angewiesen. Die Wechselkröte ist eine der wenigen Sippen, die als Lebensräume trocken-warme oder trocken-heiße Biotope benötigt.

Amphibien sind wechselwarme (poikilotherme) Tiere die ihre Körpertemperatur nicht durch Stoffwechselaktivitäten regulieren können. Sie beeinflussen diese nur durch ihr Verhalten, hier durch die Wahl des Aufenthaltsortes. Ihre Körperwärme entspricht stets in etwa der Temperatur der aufgesuchten Umgebung. Die meisten der heimischen Lurche überleben im Winterquartier bestenfalls Temperaturen sehr nahe der Nullgradgrenze.

Die in Deutschland indigenen 21 Amphibienarten werden nach ihrem Körperbau in Schwanzlurche (Salamander, Molche) und schwanzlose Lurche (Frösche, Kröten und Unken) unterschieden.

Die Erdkröte (Bufo bufo) ist über fast ganz Europa verbreitet und fehlt hier nur in Irland, Island und Nordskandinavien. Im Osten erstreckt sich das geschlossene Areal tief nach Asien bis zum Baikalsee. Hinzu kommt ein Teilareal in Marokko und in den nördlichen Teilen, Algeriens und Tunesiens. Die Höhenverbreitung reicht dabei vom Meeresniveau bis auf 2300 m ü. NN in den Alpen (Günther 1996). Die Art ist in Mitteleuropa indigen. In diesem Raum entwickelte sich in den Jahrtausenden nach dem Ende der letzten Kaltzeit (vor ca. 11.000 Jahren), ein fast lückenloser Bewuchs mit Waldgebieten. So kann rückgeschlossen werden, dass lichte Wälder auch die ursprünglichen Lebensräume der Erdkröten waren. Die Tiere ernähren sich von Ameisen, Spinnen, Würmern, Schnecken, Käfern und anderen Insekten Diese fangen sie mit ihrer hervorschnellenden, klebrigen Zunge und verschlingen sie in einem Stück. In freier Natur werden Erdkröten vermutlich 10–12 Jahre alt, bei Exemplaren in Gefangenschaft wurden bedeutend längere Lebensspannen nachgewiesen.

Den Jahresbeginn verbringen die Erdkröten in ihren Winterquartieren. Diese hatten sie im Spätherbst aufgesucht, sie liegen oft auch in unmittelbarer Nähe der Sommerlebensräume. Die Tiere graben sich entweder bis zu einem halben Meter tief in der Erde ein oder sie suchen sich frostgeschützte Verstecke, z. B. dichte Laubstreu, von Kleinsäugern angelegte Gänge, bereits vorhandene Erdlöcher, Höhlen oder Felsspalten. Weitere zum Überwintern geeignete Verstecke sind Röhren der Kanalisation, feuchte Keller, Schächte, Stollen, Tunnel, Bunker, Mauerfugen und Hohlräume in weiteren Bauwerken verschiedenster Nutzung und deren Überbleibsel.

Erdkröten verfallen in der kalten Jahreszeit in eine Kältestarre; im Winterquartier setzt diese schon bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius schrittweise ein. Sobald eine kritische Temperatur erreicht ist, werden die Tiere unbeweglich. Um in dieser Zeit Energie zu sparen, werden alle Körperfunktionen auf ein Minimum reduziert. Über die feinporige Haut decken sie Ihren nun geringen Sauerstoffbedarf da selbst die normale Atmung eingestellt wird. Die nun erstarrten Tiere können in diesem Zustand keine Nahrung mehr aufnehmen, sie müssen sich schon im Herbst ausreichende Reserven aufbauen.

Die Kältestarre (auch als Winterstarre bezeichnet) unterscheidet sich von der Winterruhe und dem Winterschlaf von Säugetieren. Während z. B. Frösche im Winter die Augen geöffnet haben, schließen die Winterschlaf haltenden Säugetiere ihre Augen vollständig. Winterschläfer und Winterruher können ihre Temperatur aktiv erhöhen wenn der Erfrierungstod droht. Dies ist Amphibien in der Kältestarre nicht möglich, weshalb in besonders eisigen Wintern viele Frösche sterben.

Wohl frühestens Ende Februar setzt die neue Aktivitätsphase der Erdkröten ein. Der genaue Zeitpunkt ist temperaturabhängig.  Damit die Tiere im Frühjahr aus ihrer Kältestarre erwachen, muss in mindestens einem halben Meter Bodentiefe wenigstens 4–5°C erreicht werden. Sie verlassen nun ihre Winterquartiere und wandern bei zusagenden Temperaturen zu ihren Laichgewässern. Optimale Wanderbedingungen für die Erdkröten herrschen bei über 70% Luftfeuchtigkeit mit Lufttemperaturen über 7°C. Da Erdkröten überwiegend nachts aktiv sind, finden die Wanderungen in der Regel in der Dunkelheit zwischen 19.00 Uhr und 2.00 Uhr statt. Erste, wenige Tiere wandern schon bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. In Phasen wieder einsetzender Fröste graben sie sich an Ort und Stelle ein.

Zu den Abläufen im Laichgewässer schreibt Robert Frösch (2011, homepage.hispeed.ch):

„Sobald die Erdkröten einzeln oder paarweise den Laichplatz erreicht haben, tauchen sie an der Stelle, an der sie geboren wurden unter Wasser, auch wenn sie dazu den ganzen Weiher durchschwimmen müssen. Hier beginnt dann die sogenannte Vorlaichzeit, die Tiere tauchen auf den Grund des Teiches und erscheinen mindestens tagsüber nicht mehr an dessen Oberfläche, in der Nacht kann das hie und da vorkommen. Unter Wasser bleiben können sie, weil sie sich kaum bewegen und das Wasser und damit ihre Körpertemperatur tief sind. Deshalb genügt die Atmung mittels Haut und Schleimhäute. Sie entnehmen also den Sauerstoff direkt aus dem Wasser. Die Vorlaichzeit dauert meist länger als drei Tage und dient zur Umstellung von der Wander- zur Laichstimmung…… Plötzlich tauchen die ersten Tiere auf, für sie hat die Laichzeit begonnen, die restlichen ruhen indes immer noch oder sind noch auf der Wanderung zum Weiher. Die aufgetauchten Tiere unterscheiden sich nun stark von den Erdkröten, wie wir sie normalerweise kennen. Erstens sind sie wie bereits erwähnt auch tagsüber tätig, dann zeigen sie fast keine Scheu, sind äußerst neugierig und lebhaft.…. Im Allgemeinen dauert die Vorlaichzeit (der Population) im Bärenmoosweiher (Zofingen im Aargau) 4-6 Tage, die Laichzeit rund 10 Tage, beides kann aber durch niedere Temperaturen beträchtlich in die Länge gezogen werden…. Die eigentliche Laichzeit dauert für die verschiedenen Tiere verschieden lang, vor allem dauert sie den Männchen erheblich länger. Diese bleiben, nachdem ihre Weibchen abgelaicht haben noch einige Tage im Teich zurück. Oft kommen sie auch vor den Weibchen im Weiher an, was vor allem für die jüngeren zu gelten scheint. So kann man immer noch Männchen im Weiher finden wenn schon alle Weibchen denselben verlassen haben.“

Im Krötenleben beginnt nun der oft hinterfragte „Rest des Jahres“. Nach der Laichphase verlassen die erwachsenen Tiere sukzessive das Gewässer und kehren zurück in Richtung ihrer Sommerquartiere. In der Regel ist es nun schon etwas wärmer und der Rückmarsch geht schneller von statten als der Hinweg. Je nach Temperatur, bei weniger als 8–10°C, graben sie sich am Zielort der Rückwanderung zuerst wieder ein und warten den Temperaturanstieg ab. Ist es bereits ausreichend warm, suchen sie nur Verstecke auf. Die Neugeborenen wandern meist erst im Sommer von ihren Geburtsort ab. Je nach Temperaturverlauf verließen sie als Schlüpflinge 6–14 Tage nach dem Ablaichen die Eihüllen, ihre weitere Metamorphose dauerte 2–4 Monate (Günther 1996).

Auch im Sommerhalbjahr sind die Tiere in der Regel meist nachts aktiv. Sie meiden die Wärme und Trockenheit der Tagesstunden um ihre Haut vor Austrocknung zu schützen. Wenn im Frühjahr die Nachttemperaturen regelmäßig 8–10°C überschreiten, kommen sie aus ihren Verstecken und gehen in feuchten oder nassen Nächten auf Nahrungssuche. In sehr trockenen Phasen verlassen sie auch nachts ihre Verstecke nicht. Seltener sind sie bei Nässe auch im Tageslicht auf der Suche nach Essbarem zu beobachten. Wälder sind auch in der jetzigen Zeit die bevorzugten Sommerlebensräume der Erdkröten. In unserer inzwischen so nachhaltig vom Menschen verformten Umwelt, sind jedoch weitere Lebensraumtypen als sommerliche Nahrungssuche- und Ruheräume hinzu gekommen wie z. B. Äcker, das Grünland und seine Feldgehölze, Steinbrüche, Sandgruben und die mit Wohn- und Arbeitsstätten bebauten Bereiche mit Gärten, Parks, Friedhöfen, Fabriken und deren aller aufgegebenen Überreste. Gewässer werden dabei nur selten und eher zufällig aufgesucht. Das Ende der jährlichen Aktivitätsphase wird im Herbst mit dem Suchen und Beziehen der Winterquartiere verbracht.

Eine offenbar hohe Anpassungsfähigkeit an eine veränderte Umwelt, in der die Natur- zu einer Kulturlandschaft geworden ist, hat der Erdkröte das Überleben ermöglicht. Selbst in Räumen mit hoher Bevölkerungsdichte wie dem Saarland, kommt sie, sicher auch als Resultat von Schutzmaßnahmen wie den Krötenzäunen, noch in hohen Stückzahlen vor.

 

Literatur und Quellen:

Günther, R. (1996): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. – 824 S., Jena.

Frösch, R. (2011): Aus dem Leben der Erdkröte. Die Laichzeit. – Frösch's Homepage, homepage.hispeed.ch/robert.froesch/bufo.htm (Zugriff: 08.04.2015).

Hage, C. (2014-2015)  Was machen Amphibien im Winter? – www.wissen.de (Zugriff: 08.04.2015).


St. Ingbert, Mai 2015

Ergebnis Amphibienzaun Glashütter Weiher 2016

 

Die NABU-Aktiven haben in diesem Jahr vom 24. März bis 6. April insgesamt eine Menge Erdkröten, Molche und Frösche sicher über die Straße getragen.

 

Hier die Zahlen:

7956 Erdkröten (7138 männliche, 818 weibliche),
29 Teich- bzw- Fadenmolche

9 Bergmolche und
8 Grasfrösche

 

Danke an alle, die mitgeholfen haben.



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