Grasen für die Artenvielfalt

Autorin und Fotos: Barbara Böhme

(12.12.2016) Ende August 2016 ziehen Schottische Hochlandrinder auf ihre Weide im Rohrbachtal um. Ihr Besitzer ist Landwirt Edgar Sander und ihre Aufgabe ist die extensive Beweidung  von knapp 20 ha Gelände des Rohrbachtals zwischen St. Ingbert und Rohrbach und damit eines wichtigen Trittstein im Biotopverbund des Saarpfalzkreises. Dass die Tiere nun dort grasen können, ist das Ergebnis einer jahrelangen, mühseligen Vorbereitungsarbeit. Bereits Ende 1990 wurde ein Gebiet von gut 3 km Länge und stellenweise nur gut 100 m Breite zu einem insgesamt knapp 50 ha großen Naturschutzgebiet Im Glashüttental/Rohrbachtal erklärt. Es reicht vom östlichen Ortsausgang St. Ingberts an Rohrbach vorbei bis zur Spieser Mühle.
Trotz der Ausweisung als Naturschutzgebiet gelang es in den darauffolgenden Jahren immer weniger, dem Naturschutzzweck gerecht zu werden. Die Lebensgemeinschaften an Feucht- und Nasswiesen, Schilfröhrichten und die Vielfalt wertvoller Pflanzen- und Tierarten, insbesondere Vogelarten, konnten nicht erhalten, geschweige denn gefördert werden. Gab es noch in den 1980er Jahren Brutnachweise von Braun- und Schwarzkehlchen, Wiesenpieper und Bekassinen, im Winter auch gelegentliche Vorkommen des Raubwürgers, so musste im Jahr 2012 die traurige Bilanz gezogen werden, dass all diese Arten verschwunden waren. Höchstens im Winter rasteten vereinzelt Bekassinen oder auch mal eine Zwergschnepfe.
Auch auf der Vegetationsseite sah es zunehmend schlecht aus. Invasive Pflanzen wie Kanadische Goldrute, Späte Traubenkirsche, Japanischer Rohrknöterich und Drüsiges Springkraut nahmen seit der Schutzgebietsausweisung massiv zu.  Verbuschungen und starker Gehölzaufwuchs sorgten dafür, dass die wertgebenden Arten der Wiesen wie Taubenskabiose, Großer Wiesenknopf und Pfeifengras stark zurückgedrängt wurden.
Überhaupt wirkte sich der Verlust des Offenlandes negativ auf die Artenvielfalt aus. Um einer weiteren Verschlechterung entgegenzuwirken, gab es seit einigen Jahren immer wieder Bemühungen, durch eine Ganzjahresbeweidung Abhilfe zu schaffen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen verschiedener Akteure nahm die NABU Gruppe St. Ingbert den „Vogel des Jahres 2013“, die Bekassine, zum Anlass, einen neuen Anlauf zu starten. Ergebnis ist drei Jahre später eine gelungene Kooperation zwischen der Stadt St. Ingbert, der Naturlandstiftung Saar, dem Landwirt Edgar Sander und dem NABU St. Ingbert.
Dazu mussten im Vorfeld alle naturschutz-, wasserschutz- und eigentumsrechtlichen Voraussetzungen für eine Beweidung geschaffen werden. Die Stadt St. Ingbert hat Flächen zur Verfügung gestellt, sowie Finanzmittel für die Errichtung des Weidezaunes, die Beschilderung und eine Erstpflege. Das Umweltministerium hat Mittel für den Flächenerwerb bereitgestellt. Die Naturlandstiftung Saar mit ihrer langjährigen fundierten Erfahrung übernahm die Beantragung aller notwendigen Genehmigungen. Der Landwirt kümmert sich um die Tiere und der NABU St. Ingbert beobachtet und dokumentiert die Entwicklung von Vegetation und Avifauna.
Sehr erfreulich ist, dass auch die Bevölkerung das neue Beweidungsprojekt gut aufnimmt. Mittlerweile treffen sich Spaziergänger am Rand der Weide, um die eindrucksvollen Tiere zu beobachten. Die robusten Hochlandrinder, die sich ganzjährig im Gebiet aufhalten, sind besonders für die extensive Beweidung geeignet und haben sich bereits sehr gut eingewöhnt. Zwei Kälber wurden sogar schon auf der Weide geboren.

 

Ansprechpartner beim NABU St. Ingbert: Barbara Böhme, Tel. 06894/5908008
Links:

www.nls-saar.de

www.highlander-grumbachtal.de

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